CoronaApp

Corona App – 10.5.2020

Was ist es?

Momentan laufen in verschiedenen europäischen Ländern Initiativen für die Programmierung einer sogenannte „Corona-App“, welche in der Bevölkerung möglichst weit verbreitet werden soll. Vorbild ist Südkorea, wo solch eine App schon
früh im Einsatz war.
Ich werde hier nicht alle Details erklären, denn dafür gibt es Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19_App


Wozu dient es?

Auf den Handys soll aufgezeichnet werden, welche andere Handies in der Nähe waren. Falls ein Benutzer sich mit Corona infiziert, werden alle anderen Benutzer gewarnt, die sich in ummittelbarer räumlicher Nähe aufgehalten haben, und aufgefordert, sich einem Test zu unterziehen. Damit soll die Verbreitung des Virus eingedämmt werden.

Wer produziert so ein App?

Es sind viele Organisationen und Betriebe, kleine und große, die sich mit der Programmierung profilieren wollen.
In Holland hat das Gesundheitsministerium sogar ein „Appathon“ ausgerufen. Jeder, der eine solche App anbieten kann, durfte Vorschläge einreichen. Von 300 wurden 7 ausgewählt, die sich letzlich sämtlich als ungeeignet erwiesen.
Google und Apple arbeiten ebenso an der App, bisher ohne Ergebnis.
In Österreich haben wir die Coronavirus-Tracking-App "Stopp Corona".

Es ist ein Streit entbrannt über den Datenschutz und die Privatsphäre, und wie diese geschützt werden können. Auch die EU hat dazu einige Ideen vorgebracht. Die technische Terminologie ist Laien fremd und der Inhalt nicht nachvollziehbar.

Wo hakt es?

Ein Virus und eine Infektion sind biologische Begriffe. Um zu verstehen, wie ein Virusinfekt sich verbreitet, haben wir Epidemiologen und Virologen. Techniker hingegen haben meist kaum Ahnung von biologische Prozessen, beide sprechen ein völlig andere Sprache.

Dazu kommt, dass nicht jeder ein Handy besitzt, nicht jeder so ein fragwürdiges Programm auf seinem Handy haben will. Es soll freiwillig sein, aber es müßten ungefähr wenigstens 60% der gesammte Bevölkerung mitmachen, um eine Chance auf Erfolg zu haben.
Dazu kommt, daß viele Handys für diese Anwendung gar nicht geeignet sind. Laut https://arstechnica.com/tech-policy/2020/04/2-billion-phones-cannot-use-google-and-apple-contract-tracing-tech/
Ein Problem ist auch die Ungenauigkeit der Messungen. Radiowellen - wie Bluetooth- gehen durch Wände, das Virus aber nicht, daher ist ein Kontakt laut Handy nicht immer wirklich ein potentiell infektiöser Kontakt.


Hr. Boos (in Deutschland in der „Digitalrat“ - Merkel nah) behauptet, die App könne registrieren, ob Wände das Signal dämpfen.
Der Erfinder von Bluetooth Jaap Haartsen hat da eine völlig andere Meining.

Original:
Volgens bluetooth-uitvinder Jaap Haartsen is bluetooth niet nauwkeurig genoeg voor contactonderzoek naar corona. Hij benadrukt dat het bereik van het signaal, dat in de huidige generatie van de draadloze technologie varieert tussen de één en de twintig meter, onvoldoende zekerheid geeft over afstand. Dat leidt volgens Haartsen tot onbetrouwbare uitkomsten.
‘Met bluetooth kun je bijhouden wie er binnen radiobereik is geweest. Bereik is niet hetzelfde als afstand. Bereik wordt bepaald door het zendvermogen, de ontvangstgevoeligheid, de afstand (ja) en de omgeving (muren, obstakels, reflectoren et cetera). Uit bereik kun je de afstand afleiden, maar dit is niet erg nauwkeurig.’

Übersetzt:
Laut dem Bluetooth-Erfinder Jaap Haartsen ist Bluetooth für die Koronakontaktforschung nicht genau genug. Er betont, dass die Reichweite des Signals, die in der aktuellen Generation der drahtlosen Technologie zwischen einem und zwanzig Metern variiert, keine ausreichende präzise Angabe über die Entfernung bietet. Die Ergebnisse seien unzuverlässig.

„Mit Bluetooth können Sie verfolgen, wer sich in Funkreichweite befunden hat. Reichweite ist nicht dasselbe wie Entfernung. Die Reichweite wird durch die Sendeleistung, die Empfangsempfindlichkeit, die Entfernung (ja) und die Umgebung (Wände, Hindernisse, Reflektoren usw.) bestimmt. Außerhalb der Reichweite kann man die Entfernung ableiten, aber das ist nicht sehr genau".


Es gibt eine Menge Vorschläge, die Privatsphäre nicht mal beachten, aber auch bei „besseren Apps“ muss man Kontakte protokollieren, was jedenfalls kritisch für den Datenschutz ist.
Es gibt viele große Worte von Behördenseite über die Garantie des Datenschutzes, aber ich glaube das nicht, weil ich die Technik verstehe.
Dazu haben Behörden einer generell zu großen Datenhunger, weil man damit so schön kontrollieren kann.
Zitat:
„Es könne aber nicht angehen, dass das Gesundheitsministerium auf den Einbau weiterer Funktionen dränge, um etwa mit der App auch das Einhalten von Quarantäneauflagen zu überwachen“

Bis jetzt haben wir in Österreich Erfolg gehabt mit Abstand, Hände waschen und begrenztem Lockdown. Die Zahlen der Infizierten senken ebenso die Zahlen der Toten.

Warum soll jetzt ein ungeeignetes Mittel alle Kontakte protokollieren?

Beschreibungen bei heise/golem kommen zu derselben Schlussfolgerung wie ich:

https://www.heise.de/hintergrund/Corona-Tracking-Wie-Contact-Tracing-Apps-funktionieren-was-davon-zu-halten-ist-4709903.html

https://www.golem.de/news/coronakrise-schneier-haelt-contact-tracing-apps-fuer-unbrauchbar-2005-148227.html

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Der-digitale-Seuchenpass-darf-keine-Loesung-sein-4717904.html

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Corona-Apps-und-Big-Data-Ammesty-warnt-vorm-Schlafwandeln-in-die-Ueberwachung-4718679.html

 


Die meisten Politiker werden wahrscheinlich guten Willens sein, aber wenn ich lese, dass Herr Sobotka Februar 2019 auf einem EU-Polizeikongress öffentlich für das chinesische Modell der völligen Überwachung (Social Scoring) plädierte, werde ich mißtrauisch.
Was Herr Axel Voss will (ohne App kein Zugang) ist so undemokratisch wie der EU.

Momentan lasse ich sogar mein Handy Zuhause, wenn ich ausgehe, denn GSM-Daten werden momentan wegen Corona gesammelt – angeblich anonymisiert.

Ich bin schon lange in der EDV tätig und ich mag mein Beruf, aber es ist eine Tendenz zu einem immer stärkeren Appetit von Behörden und Unternehmen auf Daten aus der Privatsphäre der Menschen. Die EDV liefert leider die Mittel dazu.

Deswegen werde ich nie so ein Corona-App laden und weil es das vollkommene falsche Hilfsmittel für diesen Zweck ist!


J. van Leeuwen

Matura - Medizinstudium im letzten Jahr abgebrochen wegen Sterbefall in der Familie
3 Jahre verschiedene Stellen medisch/statistische Auswertungen - Umschulung in der EDV
Psychiatrisches Krankenhaus Systemmanager 2 Jahren
Shared Medical Systems (USA-Betrieb) Projektleiter 2 Jahren
Ikazia Krankenhaus Rotterdam 3 Jahre Systemmanager, 3 Jahre Haupt EDV
8 Jahren freischaffende Künstler Fotografie mit meine Frau.
10 Jahren freiberuflich in der EDV Schwerpunkt Internet und Sicherheit
Spezialisiert in Linux und Opensource Programme.

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